Trans*öffnung der Frauenbibliothek

6 Jun

Die Frauenbibliothek ist ein seit über 25 Jahren bestehendes feministisches, emanzipatorisches Wissensarchiv zu feministischer Geschichte, Theorie und Frauengeschichte.  Entstanden ist die Frauenbibliothek als Projekt von Studentinnen* in der Zeit der  zweiten, weißen, bürgerlichen Frauenbewegung, in der sich Frauen* ihre eigenen Räume organisiert haben, um selbstbestimmte und selbstorganisierte Frauen*räume für sich zu haben.

Bis heute ist die Frauenbibliothek auch ein Frauenraum. Die Notwendigkeit von safer spaces für Frauen besteht immer noch. Aber so wie sich der Bestand der Bibliothek verändert und erweitert – neue Kategorien zu Trans* und Inter* entstehen, die Geschichte von Women und/oder Queers of color und anderen rassifizierten, marginalisierten Gruppen wird sichtbarer –, ändert sich auch unser Verständnis von Frauen*räumen bzw. safer spaces.

Wir wünschen uns, dass die Frauenbibliothek weiterhin ein safer space für Frauen* bleibt, sind uns aber darüber bewusst, dass wir mit der Frauen*raumpolitik ein binäres Geschlechterverständnis reproduzieren und Ausschlüsse produzieren, die uns Bauchschmerzen machen.

Weil wir als Frauenbibliothek – ebenso wie das AlleFrauenreferat – einen queerfeministischen, intersektionalen Ansatz verfolgen, werden wir die Frauenbibliothek und so auch den Frauenraum öffnen für Trans, Inter* Personen und alle, die sich außerhalb der Zweigeschlechtlichkeit verorten oder nicht eindeutig als männlich* oder weiblich* gelesen werden. Wir bewegen uns weg von einem exklusiven Frauen*raum hin zu einem Raum, in dem wir noch bewusster binäre Geschlechter-/Denkstrukturen hinterfragen und aufbrechen wollen.

Wir wissen und erfahren jeden Tag, dass es nicht Mal eine Gleichberechtigung zwischen den konstruierten Geschlechterpolen männlich* und weiblich* gibt und wollen weiterhin Frauen* unterstützen, heterosexistische Strukturen kritisieren, aufzeigen und verändern und Frauen* empowern Raum einzunehmen. Es ist nicht nur die androzentrische Mehrheitsgesellschaft, die uns aufgrund unseres Geschlechts oder Begehrens diskriminiert, sondern auch wir müssen uns intensiver mit Diskriminierungen und Ausschlüssen auseinandersetzen, die ein exklusiver Frauen*raum produziert.

Zu unserem Selbstverständnis gehört, dass wir einen Raum schaffen, in dem wir selbstbestimmt und möglichst diskriminierungsarm miteinander sein können. Die Umsetzung ist nur möglich, wenn wir respektvoll und vertrauensvoll miteinander umgehen. Dazu gehört, dass wir keine verbalen oder physischen Übergriffe in unserem Raum dulden und von der Mehrheitsgesellschaft abweichende Lebens- und Identitätsentwürfe akzeptieren.

Wir wünschen uns, dass sich jede_r Einzelne mit in den Raum einbringt und sich daran beteiligt, den Raum inklusiver zu machen. Veränderung passiert durch Teilnahme. Ein Raum wird nicht allein dadurch zu einem safer space, dass alle, die den Raum nutzen, sich wünschen, dass er ein Schutzraum ist. Wir wissen, dass Diskriminierungen und Grenzüberschreitungen immer passieren können. Wir wissen, dass durch die Öffnung eines exklusiven Frauenraums eine breitere Heterogenität entsteht, die scheinbar den Raum unsicherer macht. Aber wir denken, dass wir uns nicht von der Angst leiten lassen sollten. Es kann nicht das Ziel eines safer spaces sein aus einer gedanklichen Angst heraus  Ausschlüsse von Menschen zu produzieren, die einen safer space ebenso brauchen wie Frauen.

Es geht uns nicht um das „Verhindern“  von Diskriminierungen, weil wir Diskriminierungen nicht verhindern können. Aber wir können kritisch mit Privilegien umgehen, von denen wir alle unterschiedlich profitieren oder ausgeschlossen sind. Privilegien geben gesellschaftliche Machtstrukturen wieder und definieren Positionen und Handlungsspielräume im sozialen Raum. Wir hoffen, dass die Öffnung der Frauenbibliothek dazu beiträgt, dass mehr Menschen unseren Raum als safer space erleben.

 

 

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