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Stellungnahme zum Statement vom 31.10.2019

6 Nov

Am 31.10.2019 veröffentlichten die Frauen’bibliothek und das AlleFrauenReferat (AFR) der Universität Mainz als Reaktion auf den Upload unserer Stellenanzeige bei der Plattform „9gag“ und den daraufhin beim AFR eingegangenen Hassmails ein Statement. Darin distanzierten wir uns von jeglichen frauen- und transfeindlichen sowie beleidigenden Kommentaren mit Nachdruck und verteidigten unser Konzept des Safer Spaces. Dieses Statement wurde unter anderem auf der rechten Facebook-Seite „Weißer heterosexueller Mann“ geteilt. Inzwischen hat der Post der Frauen’bibliothek über 500 Kommentare, der Beitrag des AlleFrauenReferats wurde ebenfalls zahlreich kommentiert – sehr viele dieser Kommentare enthalten rassistische, antisemitische, trans- und frauenfeindliche Aussagen, leugnen oder verharmlosen den Holocaust.

Wir distanzieren uns ein weiteres Mal ganz entschieden von Aussagen solcherart und verurteilen diese mediale Hetze und den offen hier zur Schau gestellten Hass mit Nachdruck!

Die Frauen’bibliothek ist und bleibt ein Safer Space für Frauen, Trans-, Inter- und Non-binary-Personen. Die Reaktionen auf unser Statement beweist einmal mehr, wie wichtig solche Räume immer noch sind. Wir wünschen uns, dass auch unsere Web- und Social Media-Präsenzen mediale Safer Spaces sind und Menschen, die sowieso schon mit (Mehrfach-)Diskriminierung zu kämpfen haben und/oder traumatisierende Erfahrungen gemacht haben, auf unseren Seiten nicht zusätzlich getriggert werden. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, die Kommentarfunktion für den heutigen Beitrag sowie den vergangenen vom 31.10. zu deaktivieren. Rassistische, antisemitische, trans- und frauenfeindliche sowie andere gewaltsame Aussagen haben wir gemeldet und werden gelöscht.

Warum sind wir ein Safer Space? Wir möchten für die Menschen, die von struktureller Diskriminierung betroffen sind, einen offenen, selbstverwalteten und sicheren Raum schaffen. Solch ein Raum schließt Cis-Männer aus. Diese genießen innerhalb den aktuellen gesellschaftlichen Strukturen eine privilegierte Position, welche ihnen Zugang zu sehr vielen Räumen ermöglicht. Wenn wir Cis-Männern den Zugang zur Bibliothek verwehren und im gleichen Zug ihre Bewerbung für die ausgeschriebenen Stellen nicht berücksichtigen können, behandeln wir Menschen ungleich, dessen sind wir uns bewusst. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Diskriminierung: Innerhalb des Diskriminierungssystems Sexismus sind Cis-Männer Machthaber, genauso wie im Diskriminierungssystem Rassismus Weiße Machthaber’innen sind, ob sie dies wollen oder nicht. Wenn Cis-Männer also Eintritt in die Bibliothek erhielten, würden mit ihnen auch eben diese Machtstrukturen Einlass in unsere Räume bekommen. Ein Safer Space zeichnet sich nun aber genau dadurch aus, dass diskriminierende Machtstrukturen versucht werden auszuschließen. In diesem Fall „Safer Space gegen Sexismus“ heißt dies, dass wir uns in diesem Raum gerne außerhalb der vorherrschenden Machtgefälle bewegen möchten. Dies ist wichtig für jede’n, die’der täglich mit Diskriminierung konfrontiert wird. Es ist ein Rückzugsort, ein Ort des sicheren Austauschs, des Verständnisses, des gegenseitigen Bestärkens und Hilfe.

Die Ausschließung von Cis-Männern aus der Frauen’bibliothek geschieht strukturell betrachtet also nicht systemisch, ihr liegen keine gesellschaftlich zementierten Machtstrukturen zugrunde. Vielmehr soll die Frauen’bibliothek Schutz- und Repräsentationsraum für diejenigen sein, die unter patriarchalen Machtstrukturen leiden und unsichtbar gemacht werden. Deshalb handelt es sich bei dem Ausschluss von Cis-Männer um eine Ungleichbehandlung, jedoch nicht um Diskriminierung.

Wir betonen ein weiteres Mal, dass alle bei uns vorhandenen Medien von allen Interessierten ausgeliehen werden könnt. Cis-Männer können uns gerne diesbezüglich kontaktieren. Ernst gemeinte Anfragen beantworten wir gerne.

An dieser Stelle darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich viele Personen, (queer)feministische Initiativen, der AStA, die Linke Liste, Campusgrün und einige Referate des AstA mit uns solidarisiert haben. Vielen Dank dafür! Euer Zuspruch bedeutet uns sehr viel: Let’s be careful with each other so we can be dangerous together!

Melisa Aykan, Şükran Ulaş, Luise Demirden, Hanna Kopp
Referent’innen des AlleFrauenReferat und Hauptamtliche der Frauen’bibliothek der Universität Mainz

 

Stellungnahme zu Hassmails und „9gag“-Post

31 Okt

Stellungnahme der Frauen*bibliothek und des AlleFrauenReferats bezüglich der Hass-Mails und des „9gag“-Posts zu unseren Ausschreibungen:

Am 10.10.19 veröffentlichte das AlleFrauenReferat Stellenausschreibungen für eine Reinigungskraft und zwei hauptamtliche Angestellte der Frauen* bibliothek der Universität Mainz. Am 16.10. wurde ein Screenshot der Ausschreibung ebenso wie die E-Mail-Adresse des Referats auf der Plattform “9gag“ hochgeladen – mit der klaren Absicht, das Referat wie die Frauen* bibliothek öffentlich zu diffamieren und zu attackieren sowie zur weiteren Diskreditierung und Schmähung einzuladen. Die Kommentare auf “9gag“ sowie die Hassmails, die das Referat nach dem Upload erhielt, enthalten zahlreiche beleidigende, sexistische und besonders transfeindliche Aussagen. Wir distanzieren uns hiermit mit Nachdruck von jeglichen Aussagen solcherart und verurteilen diesen Hass entschieden.

Die Frauen* bibliothek versteht sich als Safer Space, als Raum, zu dem nur Frauen, nicht-binäre, Trans- und Interpersonen Zugang haben, um sich frei austauschen, denken und sprechen zu können. An diesem Verständnis halten wir fest: Wir sind der Meinung, dass wir aufgrund der immer noch existierenden patriarchal-gesellschaftlichen Machtstrukturen weiterhin Räume benötigen, in denen sich Frauen, nicht-binäre, Trans- und Interpersonen frei bewegen können, die zur Selbstverwaltung und zum Empowerment einladen. Cis-Männern kann daher der Zugang zur Frauen* bibliothek nicht gestattet werden genauso wenig, wie sie für die Besetzung der Stellen berücksichtigt werden können. Mehrfach wurde der Vorwurf formuliert, hierbei handele es sich um Diskriminierung gegen Cis-Männer.
Menschen, die strukturell diskriminiert werden, erleben tagtäglich Diskriminierung in allen Lebensbereichen. Ein Safer Space bietet Personen mit gleichem oder ähnlichem Diskriminierungskontext die Möglichkeit, sich zusammenzufinden und sich in diesem Raum frei von diskriminierenden Strukturen zu bewegen. Es handelt sich hier demnach um den Versuch, (Handlungsspiel)Räume für diejenigen Gruppen zu erschließen, die von struktureller Diskriminierung und Rassismen betroffen sind.

Es ist besorgniserregend, dass die Erschließung eines einzigen Raumes der Universität für Menschen, die unter sexistischer Diskriminierung leiden, so viele bedrohliche Reaktionen nach sich zieht. Auf Grund des Hasses, der uns entgegengebracht wurde, mussten wir unsere Mitarbeitenden warnen und sind ernsthaft besorgt um deren Sicherheit.

Das autonome AlleFrauenReferat und die Frauen* Bib sehen sich durch die hasserfüllte Reaktion noch bestärkt, an ihrem Konzept festzuhalten und weiterhin Frauen, nicht-binären, Trans- und Interpersonen einen sicheren Raum des Austauschs und des Lernens anzubieten.

Darüber hinaus betonen wir, dass die Medien der Frauen* bibliothek von allen Interessierten ausgeliehen werden können. Cis-Männer können uns via Mail oder Social Media kontaktieren, wir unterstützen bei der Recherche und organisieren eine Medienübergabe.

Mindestens eine E-Mail wird zur Anzeige gebracht.

Melisa Aykan, Şükran Ulaş, Luise Demirden, Hanna Kopp
Referent* innen des AlleFrauenReferat und Hauptamtliche der Frauen* bibliothek der Universität Mainz

Trans*öffnung der Frauenbibliothek

6 Jun

Die Frauenbibliothek ist ein seit über 25 Jahren bestehendes feministisches, emanzipatorisches Wissensarchiv zu feministischer Geschichte, Theorie und Frauengeschichte.  Entstanden ist die Frauenbibliothek als Projekt von Studentinnen* in der Zeit der  zweiten, weißen, bürgerlichen Frauenbewegung, in der sich Frauen* ihre eigenen Räume organisiert haben, um selbstbestimmte und selbstorganisierte Frauen*räume für sich zu haben.

Bis heute ist die Frauenbibliothek auch ein Frauenraum. Die Notwendigkeit von safer spaces für Frauen besteht immer noch. Aber so wie sich der Bestand der Bibliothek verändert und erweitert – neue Kategorien zu Trans* und Inter* entstehen, die Geschichte von Women und/oder Queers of color und anderen rassifizierten, marginalisierten Gruppen wird sichtbarer –, ändert sich auch unser Verständnis von Frauen*räumen bzw. safer spaces.

Wir wünschen uns, dass die Frauenbibliothek weiterhin ein safer space für Frauen* bleibt, sind uns aber darüber bewusst, dass wir mit der Frauen*raumpolitik ein binäres Geschlechterverständnis reproduzieren und Ausschlüsse produzieren, die uns Bauchschmerzen machen.

Weil wir als Frauenbibliothek – ebenso wie das AlleFrauenreferat – einen queerfeministischen, intersektionalen Ansatz verfolgen, werden wir die Frauenbibliothek und so auch den Frauenraum öffnen für Trans, Inter* Personen und alle, die sich außerhalb der Zweigeschlechtlichkeit verorten oder nicht eindeutig als männlich* oder weiblich* gelesen werden. Wir bewegen uns weg von einem exklusiven Frauen*raum hin zu einem Raum, in dem wir noch bewusster binäre Geschlechter-/Denkstrukturen hinterfragen und aufbrechen wollen.

Wir wissen und erfahren jeden Tag, dass es nicht Mal eine Gleichberechtigung zwischen den konstruierten Geschlechterpolen männlich* und weiblich* gibt und wollen weiterhin Frauen* unterstützen, heterosexistische Strukturen kritisieren, aufzeigen und verändern und Frauen* empowern Raum einzunehmen. Es ist nicht nur die androzentrische Mehrheitsgesellschaft, die uns aufgrund unseres Geschlechts oder Begehrens diskriminiert, sondern auch wir müssen uns intensiver mit Diskriminierungen und Ausschlüssen auseinandersetzen, die ein exklusiver Frauen*raum produziert.

Zu unserem Selbstverständnis gehört, dass wir einen Raum schaffen, in dem wir selbstbestimmt und möglichst diskriminierungsarm miteinander sein können. Die Umsetzung ist nur möglich, wenn wir respektvoll und vertrauensvoll miteinander umgehen. Dazu gehört, dass wir keine verbalen oder physischen Übergriffe in unserem Raum dulden und von der Mehrheitsgesellschaft abweichende Lebens- und Identitätsentwürfe akzeptieren.

Wir wünschen uns, dass sich jede_r Einzelne mit in den Raum einbringt und sich daran beteiligt, den Raum inklusiver zu machen. Veränderung passiert durch Teilnahme. Ein Raum wird nicht allein dadurch zu einem safer space, dass alle, die den Raum nutzen, sich wünschen, dass er ein Schutzraum ist. Wir wissen, dass Diskriminierungen und Grenzüberschreitungen immer passieren können. Wir wissen, dass durch die Öffnung eines exklusiven Frauenraums eine breitere Heterogenität entsteht, die scheinbar den Raum unsicherer macht. Aber wir denken, dass wir uns nicht von der Angst leiten lassen sollten. Es kann nicht das Ziel eines safer spaces sein aus einer gedanklichen Angst heraus  Ausschlüsse von Menschen zu produzieren, die einen safer space ebenso brauchen wie Frauen.

Es geht uns nicht um das „Verhindern“  von Diskriminierungen, weil wir Diskriminierungen nicht verhindern können. Aber wir können kritisch mit Privilegien umgehen, von denen wir alle unterschiedlich profitieren oder ausgeschlossen sind. Privilegien geben gesellschaftliche Machtstrukturen wieder und definieren Positionen und Handlungsspielräume im sozialen Raum. Wir hoffen, dass die Öffnung der Frauenbibliothek dazu beiträgt, dass mehr Menschen unseren Raum als safer space erleben.

 

 

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